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The Hack
Der schwärzeste Moment des modernen Journalismus als packendes True-Crime-Drama

An einem Sonntag vor genau 15 Jahren – am 10. Juli 2011 – erschien die letzte Ausgabe der News of the World. Damit ging eine 168-jährige Zeitungsgeschichte nicht etwa wegen sinkender Reichweiten zu Ende, sondern wegen des moralischen Bankrotts eines ganzen Systems. Die spektakuläre ITV/ARTE-Koproduktion „The Hack“ rollt diesen schwärzesten Moment des modernen Journalismus als packendes True-Crime-Drama neu auf.
Für Medienschaffende ist die siebenteilige Serie weit mehr als die Chronik eines historischen Skandals: Sie fungiert als schmerzhaft präzises Röntgenbild einer Industrie, die im Rausch des Scoop-Gewerbes ihre ethischen Leitplanken verloren hat. In Zeiten, in denen KI-generierte Desinformation und das Ringen um schwindendes Publikumsvertrauen die Branche dominieren, ist „The Hack“ eine Pflichtlektion über die toxischen Abgründe ungebremster Klick- und Quotenjagd.
Worum geht’s?
„The Hack“ ist eine hochkarätig besetzte, siebenteilige True-Crime-Dramaserie, die zwei scheinbar getrennte, aber tief miteinander verflochtene Kriminalfälle im Zeitraum von 2002 und 2012 rekonstruiert: Zum einen die obsessive Recherche des Guardian-Journalisten Nick Davies, der das systematische Abhören von Telefonen (Phone-Hacking) im Murdoch-Imperium aufdeckte. Zum anderen den ungelösten, von Korruption überschatteten Axtmord an dem Privatdetektiv Daniel Morgan aus dem Jahr 1987. Die Serie dekonstruiert die Verflechtungen von korrupten Polizisten, skrupellosen Boulevard-Reportern und einer politischen Klasse, die vor der Medienmacht des Rupert-Murdoch-Konzerns kapitulierte.
Handlung
Im Zentrum des narrativen Geflechts steht die mühsame und hochgradig riskante Detektivarbeit von Nick Davies (gespielt von David Tennant) und seinem Chefredakteur Alan Rusbridger (Toby Jones). Entgegen dem Widerstand der eigenen Branche und der bewussten Vertuschung durch Scotland Yard weigern sie sich, die offizielle Lesart von der „einzigen schwarzen Schafe“ innerhalb der News of the World zu glauben.

Parallel dazu wird das Schicksal des Polizisten Dave Cook (Robert Carlyle) erzählt, der versucht, den berüchtigten Mordfall Daniel Morgan neu aufzurollen. Cook gerät dabei selbst ins Visier des Boulevards: Privatdetektive im Auftrag der News of the World bespitzeln ihn und seine Familie, um die polizeilichen Ermittlungen zu sabotieren. Das moralische Spannungsfeld der Serie verläuft entlang der Frage, wo die Grenze zwischen legitimer investigativer Recherche und krimineller Inszenierung verläuft. Es zeigt ein perfides Machtgefüge, in dem Informationen nicht mehr zur Aufklärung dienen, sondern als Waffe zur Erpressung von Politik und Justiz missbraucht werden.

Die je nach Episode wechselnde Perspektive mag mitunter etwas verwirrend wirken, weil nicht gleich klar wird, inwieweit beide Fälle zusammenhängen. Zudem ist die etwas egobezogene Erzählweise des Guardian-Journalisten Davies auf Dauer etwas angstrengend. Mir persönlich hat auch die Erzählperspektive der News of the World gefehlt.
Hintergrund
Der reale Kern von „The Hack“ basiert auf dem wohl größten Medienskandal der britischen Geschichte und Nick Davies’ investigativem Sachbuch Hack Attack. Die 1843 gegründete und 1969 von Rupert Murdoch übernommene Sonntagszeitung News of the World (NoW) war mit zeitweise über vier Millionen verkauften Exemplaren das Flaggschiff von Murdochs News International.
Das System NoW basierte auf dem massenhaften Missbrauch von privaten Daten. Der Wendepunkt des Skandals, der auch in der Serie das emotionale Fundament bildet, ereignete sich im Juli 2011: Davies enthüllte im The Guardian, dass NoW-Journalisten nicht nur Prominente und Politiker abgehört hatten, sondern auch die Mailbox der entführten und später ermordeten 13-jährigen Schülerin Milly Dowler abfingen – und sogar Nachrichten löschten, um Platz für neue Aufnahmen zu schaffen. Dies gab den verzweifelten Eltern falsche Hoffnung, ihre Tochter lebe noch.
Dieser ethische Dammbruch löste eine beispiellose gesellschaftliche Empörung aus. Innerhalb weniger Tage zogen Großanzeigenkunden ihre Budgets ab. Am 7. Juli 2011 zog Rupert Murdoch die Reißleine: Er opferte das traditionsreiche Blatt, um den Rest seines Medienimperiums zu schützen und eine Übernahme des Pay-TV-Riesen BSkyB zu retten (die dennoch scheiterte).

Der Skandal mündete in der historischen Leveson-Inquiry, einer richterlichen Untersuchung zur Kultur, Praxis und Ethik der britischen Presse, und führte zu zahlreichen Verhaftungen von Spitzenjournalisten wie Andy Coulson (der sogar Regierungssprecher unter Premierminister David Cameron war).
Warum die Serie für Medienschaffende interessant ist
1. Dieser Fall ist medienethisches Pflichtwissen
„The Hack“ zeigt unmissverständlich, warum dieser Skandal jeden etwas angeht, der heute im investigativen Journalismus oder im Boulevard arbeitet. Die Serie führt uns vor Augen, was passiert, wenn das journalistische Ethos dem unbedingten Willen zur Story geopfert wird. Wer im Boulevard arbeitet, bewegt sich naturgemäß oft in moralischen Grauzonen und reizt Grenzen aus. Doch der Fall News of the World beweist, dass der systematische Missbrauch von Methoden – bis hin zum Abfangen von Mailboxen ermordeter Teenager – kein „Kavaliersdelikt des investigativen Handwerks“ mehr ist, sondern kriminell und hochgradig zerstörerisch. Medienschaffende müssen diesen Fall im Detail kennen, um die rote Linie im eigenen Arbeitsalltag klar ziehen zu können: Recherche ja, aber niemals um den Preis der eigenen Menschlichkeit.
2. Qualitätsjournalismus erfordert institutionellen Atem und juristische Resilienz
Dass der Skandal aufgedeckt wurde, ist der beharrlichen Arbeit des The Guardian zu verdanken – einer Zeitung, die durch die Eigentümerstruktur des Scott Trust politisch und wirtschaftlich besonders geschützt war. Die Serie veranschaulicht eindrucksvoll, dass investigativer Journalismus kein schnelles „Content-Piece“ ist. Es braucht Verleger und Chefredakteure mit Rückgrat, die bereit sind, immense juristische Risiken einzugehen und erhebliche finanzielle Ressourcen über Jahre hinweg zu blockieren, um mächtige Gegner (Verlage, Politik, Polizei) herauszufordern.
3. Die Nähe zwischen Medienmacht und Politik bedroht die Unabhängigkeit
„The Hack“ zeigt schonungslos, wie britische Premierminister – von Tony Blair über Gordon Brown bis David Cameron – um die Gunst von Rupert Murdoch und seinen Chefredakteurinnen (wie Rebekah Brooks) buhlten. Diese ungesunde Symbiose führte dazu, dass die Polizei wegsah, als Straftaten begangen wurden. Für Medienschaffende ist dies eine Warnung: Journalismus verliert seine Daseinsberechtigung, sobald er Teil des politischen Machtapparates wird, statt ihn kritisch zu kontrollieren. Distanz ist keine Option, sondern eine Überlebensnotwendigkeit für die Glaubwürdigkeit.
Am Ende der Serie bleibt für uns als Branche eine drängende, unbequeme Frage zurück:
Was haben wir eigentlich wirklich aus diesem Desaster gelernt – oder haben wir die Schauplätze und die unethischen Methoden im Kampf um Aufmerksamkeit heute lediglich ins scheinbar saubere, digitale Ökosystem verlagert?
Stats

Besetzung
Rolle | Darsteller*in | Funktion in der Geschichte |
|---|---|---|
Nick Davies | David Tennant | Investigativer Journalist des The Guardian |
Alan Rusbridger | Toby Jones | Chefredakteur des The Guardian |
DCS Dave Cook | Robert Carlyle | Detective Chief Superintendent, ermittelt im Fall Morgan |
Rupert Murdoch | Steve Pemberton | Medienmogul, Eigentümer von News International |
Rebekah Brooks | Rosalie Craig | CEO von News International / Ex-NoW-Chefredakteurin |
Andy Coulson | Mark Stobbart | Ex-NoW-Chefredakteur, Kommunikationsdirektor von Cameron |
Charlotte Harris | Rose Leslie | Engagierte Anwältin der Hacking-Opfer |
Gordon Brown | Dougray Scott | Ehemaliger britischer Premierminister |
Jacqui Hames | Eve Myles | Polizistin, Ehefrau von Dave Cook |
Stab
Funktion | Name | Relevanz / Bekannte Werke |
|---|---|---|
Regie | Lewis Arnold | Time, Sherwood, Des |
Drehbuch | Jack Thorne, Annalisa Dinnella | His Dark Materials, The Virtues, National Treasure |
Produzenten | Abi Bach, Patrick Spence, Jack Thorne | Koproduktion von ITV Studios, AC Chapter One, One Shoe Films |
Kamera | David Raedeker | I Am Not a Witch, Skins |
Musik | Lorne Balfe, Joshua Pacey | Mission: Impossible, The Crown |
Weitere Informationen
Kategorie | Technische & Inhaltliche Spezifikationen |
|---|---|
Format | Miniserie (7 Episoden à ca. 45-50 Minuten) |
Genre | True Crime Drama, Polit-Thriller, Medien-Drama |
Original-Plattform | ITVX / ITV1 (UK), Stan (Australien) |
Deutsche Erstausstrahlung | 12. Juni 2026 (ARTE Mediathek) |
Literarische Vorlage | Hack Attack: How the Truth Caught Up with Rupert Murdoch von Nick Davies |
Sprachen | Deutsch, Französisch, Englisch (Originalton mit Untertiteln) |
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Der Beitrag wurde von einem Redakteur mit zusätzlicher Unterstützung von KI-gestützten Large-Language-Modellen erstellt.